Stadt

„Münchner, reißt die Hütte ab!“

delay BhfSoulBuero

Jan Delay hat gestern im Zenith ein großes Konzert gegeben. Das Publikum ließ sich die Show von der miserablen Akustik nicht vermiesen. In diese Halle wird Delay aber wohl trotzdem nicht mehr zurück kehren.

Was sich die Münchner da als Konzerthalle vorsetzen lassen, konnte der Hamburger offenbar bis zum letzten verklungenen Bläsersatz nicht richtig glauben. „Ich verstehe jetzt, warum das Wort Halle von Hall kommt“, nölt der hyperaktive Bandleader der Disko No. 1 zu Beginn seines fulminanten Auftritts in der 100 Meter langen Eisenhalle.

Es blieb eine der wenigen Ansagen, die man akustisch überhaupt verstehen konnte. Das rote Hemd unter der weißen Krawatte war da schon pitschnass geschwitzt. Der „beste deutsche Entertainer an der Grenze zwischen Rap und „Wetten, dass…?“ (wie die AZ ihn nannte) hat die Besucher mit kurios-absurden Tanzschritten aufgelockert. „Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo die Mucke her“, war nach mehr als zwei Stunden ein schöner Abschlussschieber. Aber die Worte hatten an diesem Abend eine doch allzu wörtliche Bedeutung. Die Mucke kam von überall, aber leider nicht gleichzeitig.

Vor der Zugabe, rief der sichtlich genervte Partykönig konsequenter Weise gleich zum sofortigen Abriss der Halle auf. „Zeigt mir, dass ihr auch Mauerspechte sein könnt, nach diesem Lied, möchte ich hier eine Open-Air-Bühne haben.“ Es folgte eine fett arrangierte Version von „Pump up the Jam“. Die Halle blieb stehen.

Bei Stampfern wie MC Hammers „Can`t touch it“ oder die wunderbare Reminiszenz an Deichkinds „Remmidemmi“ war die Akustik dann auch schon wurscht. Apropops Wurst. Ein Lieblingsthema des Abends: Die fränkische Wurstfabrik von „Herrn Hoeneß“. Doch selbst die Blödel-Attacken gegen den Bayern-Präsidenten führten Delay wieder zum Hallen-Bashing: „Wir waren in ganz Deutschland in großen Hallen, aber so eine Scheiß Akustik haben wie noch nirgends erlebt.“ Denkwürdig.

Die Stadt diskutiert seit Jahren leidenschaftlich über eine millionenteure Sanierung der Philharmonie und eine neue Konzerthalle auf dem Marstallplatz, um Münchens Klassik auf Weltniveau zu bringen. Den Besuchern von Popkonzerten würde schon Regionalklasse genügen. Allein die Anreise ohne ÖPNV und mit entsprechender Staudichte erinnert an eine überstürzt organisierte Veranstaltung in einem Schwellenland.

Link-Tipp:
Fotos und Videos vom gestrigen Gig gibt es auch auf der offiziellen Band-Blog-Seite. Ein ehemaliger Viva-Redakteur begleitet die Tour mit einem Handycam-Blog.

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